In der Nacht:
Der Kopf schlägt um sich

Es ist nach Mitternacht – Und die Gedanken ruhen nicht. Was soll nur werden? Wo führt das alles hin? Bis letztes Jahr war es nur das körperliche Unvermögen, das mich belastete. Eine nervtötende Beschränkung, die es zu überwinden galt. Aber seitdem die Schmerzen da sind, ist alles anders.

Ich habe viele Medikamente ausprobiert. Alle wirkten sie gegen meinen Geist, gegen mich, schwächten mich. Durch höhere Dosen ging der Schmerz, aber der Nebel kam. Ich war nicht mehr der Herr meiner Sinne, konnte nicht mehr mit der Welt agieren. Außerdem betäubten die Mittel nicht nur mein Wesen, sondern auch den Darm und verhinderten so dessen Bewegung. Das führt wieder zu Verstopfung und das zu noch mehr Schmerz. Dazu kommt, dass ich Nachts an einer nicht invasiven Beatmung hänge, ich trage eine Maske. Alle vier Stunden muss sie befüllt werden, ich schlafe nie durch. Aber ich muss mich nach zirka fünf Stunden lagern, das entfällt dann ja sowieso.

Ein positiver Gedanke dabei: Trotz alledem bin ich nicht allein. Viele stehen mir bei, nur ich setze mich unter Druck. Es ist hart gerade. Ich muss einen Sinn in all dem finden. Bevor es mich auffrisst. Ich versuche jetzt etwas Schlaf zu finden.

Unsicherheit:
Schon wieder nicht in die Arbeit

Donnerstag – Es ist zum aus der Haut fahren! Heute könnte ich endlich wieder durchstarten, raus aus meiner Wohnung ins Büro!
Ich habe mir vorsichtshalber sowieso nur wenig eingetragen, also nur zwei Termine – Das muss doch klappen!

Aber leider macht mir der Darm einem einen Strich durch die Rechnung. Mein Darm-Management sagt, dass „es“ heute dran wäre. Aber „es“ will nicht! „Nicht schon wieder!“ resigniere ich und fange an zu tippen.

Verstopfung plagt uns Querschnittgelähmte irgendwann ja alle. Und es ist absolut möglich, eine Lösung dafür zu finden. Aber es braucht unglaublich viel Zeit und Durchhaltevermögen.

Darüber hinwegsehen geht aber ja auch nicht. Das macht mich oft fertig und lässt mich dann an allem zweifeln. Nicht auszudenken, wenn während eines Termins unter Menschen irgendetwas „Unvorhergesehenes“ passieren würde. Wobei, unvorhergesehen wäre es ja heute gar nicht. Ich muss lachen! Letzten endes schwächt mich das ganze sehr. Mein Kreislauf fährt runter und meine Körpertemperatur auch. Ab 36 Grad kommt das zittern.

Zugegeben, wir sitzen ja auf unseren Hintern. Insofern gibt es da durchaus Reaktionszeiten bevor „es“ passieren kann, je nachdem wie schwer und träge derjenige ist. Galgenhumor.

Also wird heute wieder ein Tag sein, an dem ich zu Hause bleibe. Aber vielleicht ist das am Ende auch eine Art von „Arbeit“? Ich versuche heute mal, deswegen nicht unzufrieden mit mir zu sein. „Vielleicht lieber produktiv?!“ denke ich mir und gebe diese Erfahrung hier weiter.