Das Kind im Manne:
Entdecke dich selbst

Vor ein paar Tagen war ich wieder sehr unzufrieden mit mir und meiner Situation. Vor Selbstmitleid triefend saß ich im Wohnzimmer am Tisch und ließ den Kopf hängen. Mein Kreislauf hing irgendwo unterhalb meiner Knöchel zwischen den Zehen auf dem Boden und ein Stressgefühl machte sich breit. Wer schon einmal im Unterzucker war kennt das vielleicht, es drängt in Kopf und Atmung. Man will sich nur hinlegen oder in sich hineinfluteten oder, oder…

Eigentlich hatte der Tag gut begonnen. Ich konnte mich glücklich schätzen: Mein Darm hatte mitgespielt, das Tor aus meinem Zimmer hinaus in die Welt der Normalität öffnete sich einen Spalt breit – und ich machte meinen Lieblingsfehler.

Ich ging mit dem Maßstab des gesunden, fitten Menschen an mich heran. Wohl wissend, dass dieser alsbald zur Keule werden sollte. Jene, die ich mir geflissentlich selbst überziehen konnte wenn mir sonst gerade nichts einfiel. Ich setzte mich unglücklich an meinen Beintrainer um mich wieder hoch zu pushen.

Meine Augen wanderten betrübt an der Glasfläche des Terassenfensters entlang, als ich den Sohn meiner Freundin mit dem Fußball spielen sah. Der Arme. Kalt war es draußen. Und die Terasse eigentlich viel zu klein zum kicken. Ein Tor gab es nicht und der Fußball war auch nicht der beste. Und alleine war er auch! „Muss es dem schlecht gehen. Der Arme!“

Ich konnte beobachten, wie er die Terassenstühle zu Torpfosten umfunktionierte. Er drappierte die guten, getöpferten und deswegen zerbrechlichen Pflanztöpfe als imaginäre Gegenspieler auf der Terasse. Und spielte. Einfach so. Freudig jauchzend und total zufrieden.

Klar hätte er sich seine Freunde und einen Fußballplatz mit angeschlossener Eisdiele und Wasserrutsche gewünscht, wenn man ihn denn gefragt hätte . Aber so war er einfach nur happy mit dem was er hatte, fernab jeder Wertung oder des Vergleiches mit anderen. Bewundernswert.

Ich behalte das diese Eindrücke im Hinterkopf und versuche, mir ein Beispiel an ihm zu nehmen. Ein Kind als Vorbild, wer hätte das gedacht?!