Sehr schonend:
Die Katzenhaltung

Von Katzen sagt man im Allgemeinen, sie seien immer Herr ihrer selbst. Eine Katze hat grundsätzlich ihren eigenen Kopf und niemand kann sie seinem Willen Untertan machen. Trotzdem ist es der Mensch der beschließt, die Wohnzimmertür zu schließen oder (k)eine Katzenklappe anzubringen.

„Ist so ein Katzenleben also selbstbestimmt?“ frage ich mich und beobachte neidvoll unsere Katze auf dem Sofa. Voller Neid, weil ich oft das Gefühl habe, mein Leben wäre nicht selbstbestimmt.

Das fängt bei den offensichtlichen  Dingen wie meinem Körper und seinen Einschränkungen an: So eine Spastik zwingt mich durchaus das zu tun, was sie gerade für richtig hält. Und wer einmal das Vergnügen hatte, nach der gestrigen Kohlsuppe…ich muss an dieser Stelle nicht weiterschreiben, denn es ist jedem klar was kommt. Selbstbestimmtheit ist bei Darmlähmung meistens Makulatur.

Grenzen der Selbstbestimmtheit gibt es aber auch außerhalb des eigenen Körpers. Nämlich dann, wenn andere für einen selbst das denken übernehmen – in bester Absicht. Das geht eine Weile gut. Der Komfort der Situation verschleiert letzten Endes das Ausmaß der Misere. Man ruht dann sozusagen im goldenen Käfig – sanft gewogen und auf Watte gebettet, unbewusst der eigenen Unmündigkeit.

Umso schwieriger wird es dann, wenn sich die Augen öffnen und die Gitter bewusst werden, man anfängt sich zu wehren.  Schuldgefühle kommen hoch. „Bin ich womöglich undankbar?“ Beiße ich in die Hand die mich füttert , oder…Unsicherheit macht sich breit. Handle und denke ich aus Trotz so? Ist es mein Ego das da spricht? Selbstvertrauen sieht anders aus. Scheiße.

Und wieder sind es diese Zeilen, die Reflektion zulassen und mich zu einer Lösung führen. Ich kann täglich, stündlich, minütlich und sogar sekündlich beschließen, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.  Ich kann bisherige Zustände dankbar annehmen und eine sichere, aber nicht selbstbestimmte, Ausgangssituation als Sprungbrett für die Zukunft nutzen. Pragmatismus ist hier gefragt – denn etwas Hilfe schadet nie. Und es ist viel wert, diese annehmen zu können!

Die Katze hat indes übrigens entschieden, nachdem ich sie kurz rausgelassen hatte, wiederzukommen.  Das war ihre Entscheidung. Sie setzt sich also bewusst dem „Goldenen Käfig“ von  Katzenfutter und Streicheleinheiten aus und genießt die Vorzüge. Vielleicht entscheidet sie sich morgen anders – wir sind uns dessen beide bewusst.