Loch im Bauch:
Einsparung

Gestern Mittag ging es recht kurios bei mir zu. Ich hatte – wegen meiner Darmprobleme und der Überlegungen, mir nächstes Jahr einen künstlichen Darmausgang legen zu lassen – einen Stoma– Berater ins Haus geholt.

Das Kennenlernen erfolgte telefonisch und ich machte dem Herrn erst mal klar, dass wir nicht automatisch per Du sind, nur weil ich im Rollstuhl sitze. Bis dahin meine Annahme.

Umso erstaunter war ich, als dann gestern ein recht aktiver Paraplegiker meine Rampe hinauffuhr und sich vorstellte. Mann, kam ich mir in der Sekunde blöd vor!  Es folgte eine halbe Stunde voll der Information und des Plausches unter Leidensgenossen.

Man stelle sich die Situationskomik vor: zwei Rollstuhlfahrer sitzen nebeneinander. Der eine wehrte sich Stunden zuvor noch vehement dagegen, irgendwie unbekannterweise geduzt und somit – wohlgemerkt in seiner Selbstwahrnehmung – degradiert zu werden.  Nur um sein gegenüber nach einer halben Stunde nach dessen Abführgewohntheiten, Stuhlmenge und dergleichen zu fragen.  Und ich meine hier keine Rollstühle.

Ich bin ja ganz froh, dass der da war.  So kann ich durch ein Darmspülsystem dem Thema Colostoma, dem künstlichen Darmausgang, erst mal aus dem Weg gehen. Das wäre das Ende der Eskalationsleiter gewesen und würde mich wieder viele Wochen in der Klinik kosten. Vom ästhetischen Standpunkt mal ganz abgesehen, fordert so ein Eingriff Körper und Psyche doch sehr extrem.

Vom ästhetischen Standpunkt mal ganz abgesehen, fordert so ein Eingriff Körper und Psyche doch sehr extrem. Ich habe zwar schon ein Urostoma und eine implantierte Baclofen-Pumpe, die meinen Körper ein bisschen auswölben. Aber den Hintern plötzlich am Bauch zu haben, das braucht wahrscheinlich ein bisschen mehr Zeit zur Akzeptanz.

Das hat mich echt beschäftigt. Wobei meine Freundin den Vorschlag brachte, was mich echt zuversichtlicher hat werden lassen. Wenn man ein Lächeln nur hinschreiben könnte.

Übrigens, so als Tipp für das Darmmanagement: Mach eine Liste mit den Gewohnheiten. Dauer, Menge, Farbe, Probleme, Abführmittel und Medikation, Gefühl danach und davor (Psyche) und der Ernährung. Ich korrespondiere alle zwei Wochen mit der Manfred-Sauer-Stiftung. Das ist für lau und gemeinsam geht man dann den Weg hin zu mehr Lebensqualität.

Ansonsten gilt Google ist dein Freund!

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