Unzufriedenheit:
Und Zufriedenheit?

Heute bin ich Unzufrieden. Mit was? Ich weiß es noch nicht so genau. Vielleicht am Ende des Textes.  Ich bin vorhin aufgewacht und dachte zuerst an gestern Abend. Ich war mit meinem neuen Rollstuhl – Antrieb in der Stadt unterwegs. Das erste Mal seit langer Zeit am Abend.

Ich ließ mich anziehen, küsste meine Freundin und ging auf die Jagd nach alten Zeiten. Ich fuhr erst langsam und sicher, dann immer schneller.

Als würde mich jemand sehen und sagen „Schau da, der Behinderte! Der ist aber schnell! So ein fitter! Der hat sich bestimmt nur kurz da reingesetzt!“. Ich fuhr über das holprigste Kopfsteinpflaster und die kantigsten Bordsteine und dachte mir „Freiheit! Nachtleben! Regensburg hat mich wieder!“.

Aber alles hatte sich verändert und ich war allein. Was auch mal ganz gut war, aber eigentlich nicht, eigentlich gar nicht.  Mir fiel niemand mehr ein, der irgendwo an einer Tür stand und sich langweilte. Niemand, der gerade schlicht nichts zu tun hatte. Und eigentlich wollte ich auch gar nicht, denn ich wollte zurück zu meiner Freundin in unsere warme Wohnung. Es wurde nämlich schon ziemlich kalt.

Ich begegnete zwei Bekannten. Die reagierten mir gegenüber – wir hatten uns lange nicht gesehen – sehr zurückhaltend und irgendwie sehr still. Sie sagten, sie gingen noch auf ein Bier und ob ich auch möge.  Ich wigelte ab und fuhr meines Wegs.   Verunsichert. Wäre das der soziale Kontakt gewesen, auf den ich eigentlich gehofft hatte?

Ich fuhr weiter und stürzte mit dem neuen Antrieb fast von einem hohen Bordstein. Verunsichert fuhr ich nach Hause und ging ins Bett. Morgens wachte ich dann unzufrieden auf. Warum eigentlich?

Ich hatte mir etwas vorgenommen und es durchgezogen. Ich habe Erfahrungen gesammelt! Klar hätte ich das Bier annehmen können, aber niemand ist perfekt, das sollte o. k. sein.  Durch dieses Gerät, was mir plötzlich so viel Freiheit zur Verfügung stellt, stelle ich plötzlich Sachen infrage, die für jemanden der sich nicht so gut raus bewegen kann bis gestern noch völlig o. k. waren.

Und jetzt soll das nicht mehr gut genug sein? Ich habe so viele Pläne, aber ich muss aufpassen, dass mich die neu gewonnene Freiheit nicht wieder in die alte Spirale des Leistungsdrucks und der Ungeduld wirft. Sondern mich darin unterstützt, was gerade das beste ist, was mir hätte passieren können: Normalität durch jemand anderen in meinem Leben als ich selbst.

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