Platt wie eine Flunder:
Ziemlich schnell durch

Heute Nacht habe ich durchgeschlafen. Mit der kleinen, standardmäßigen Unterbrechung des Umlagerns. Ich habe es aber nicht getan – denn in dem Moment war ich unsicher ob der Folgen. Wenn ich mich drehe und der Bauch eine andere Position einnimmt, Druck auf den Darm ausgeübt wird – da mir die Muskulatur fehlt, um irgendetwas zu stabilisieren und so zu tricksen, zu kaschieren – kann das blöd und peinlich enden.

Ich weiß, dass es meiner Freundin nichts ausmacht. Aber mir schon! Und zum Glück hatte ich in dieser, letzter Nacht die Wahl, denn länger als sechs Stunden liege ich nie auf einer Seite. Und da waren es erst drei. Der Schlaf hat mir gut getan!

Ich bin aber immer noch hundemüde. Die Schmerzen sind etwas besser geworden. Und im Rückenmarkszentrum hatte man mir ja auch gesagt, dass beim  Querschnittgelähmten der Darm und der Sauerstoffgehalt im Blut eine große Rolle spielen. Seit ich für die Nacht mein Beatmungsgerät habe, ist – wenn  Nasenfreiheit herrscht – sichergestellt, dass ich während des Schlafens keine Atemaussetzer mehr habe.

Die hatte ich letzten Winter, bis zu 48 pro Stunde, die längsten über 35 Sekunden. Und wir sprechen hier nicht von tief Luft holen und dann anhalten. Sondern von Luft rauslassen und einfach nicht mehr einatmen. Wäre das meiner Freundin nicht aufgefallen, hätte das blöd ausgehen können.

Ich mutierte damals immer mehr zum Zombie, konnte nicht mehr klar denken und verfiel in Depression. Das geht dann soweit, dass das Herz Probleme bekommt. Und bei mir pumpt es sowieso langsamer, oft mit einem Puls unter 45.

An die Ursache Schlaf dachte ich damals gar nicht, als ich so fertig war. Eher an die Standard-Faktoren wie Blutdruck, Puls, Schmerz – Medikamente und dergleichen.

Ich vermutete, das wäre jetzt mein Schicksal. Gegenüber jedem so tun zu müssen, als ob nichts wäre, damit sie mich nicht für geistig – umnebelt halten, vor allem nach der Hirnblutung letztes Jahr.  Ich war zwar schon mal fitter und vergesse immer noch vieles. Das liegt aber an anderen Faktoren.

Tatsächlich konnte ich das Thema Sauerstoff beim schlafen mit der Maschine gut in den Griff kriegen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sich Zustände ändern können.  Bei mir jetzt gerade. Das ist in Ordnung und normal.

Wichtig ist nur, dass man nicht stehen bleibt und weiter an sich arbeitet. Ich brauche immer ein paar Wochen, bis ich soweit bin, wenn ich gerade eine Durst-Strecke hatte. Ich beschließe dann, dass die jetzt vorbei sein muss und tue dann – mal wieder – alles, damit das besser wird. Das pure Leben!

Und ein Tipp von mir: je offener wir damit umgehen, desto leichter wird es – das Versteckspiel hört auf und man wird sicherer mit sich selbst.

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